NEUBAU RATHAUS

EISLINGEN


Typologie Kulturbau
Jahr 2010
Leistung HOAI LP. 2–8
Bauherr Stadt Eislingen
Status realisiert


Konzept Das neue Rathaus wird als zentrales Gelenk zwischen Bahnhof, Hauptstraße und Schloss auf einer platzartigen Fläche angeordnet. Seiner besonderen Nutzung entsprechend ist es ein freistehender und repräsentativer Solitär, der nicht nur der gegenwärtigen städtebaulichen Situation gerecht wird, sondern gleichermaßen auch zukünftige Veränderungen in der Verkehrsführung ermöglicht. Zusammen mit dem Baukörper des Schlosses und mit möglichen zusätzlichen Neubauvolumen auf dem südlichen Gelände wird ein öffentlicher Raum aufgespannt. Als Reaktion auf die aktuelle städtebauliche Situation, aber auch um zukünftige städtebauliche Optionen offen zu halten, ist der Neubau von drei Seiten nahezu gleichwertig erschlossen: Einerseits über die östliche Arkade von Norden und Süden und andererseits im Westen durch das durch den Baukörper „gesteckte“ öffentliche Foyer. So findet der besondere öffentliche Charakter des Hauses Ausdruck in der Gestaltung einer offenen Halle, die alle Ebenen über eine elegante Freitreppe großzügig miteinander verbindet. Der Ratssaal liegt der Stadt zugewandt an exponierter Stelle an der nordöstlichen Ecke im 4. OG. Eine eigene, kleine Foyerzone vor seinem Eingang und eine rückwärtige, bedienende Zone ermöglichen einen funktionalen Betrieb. Als besondere Qualität des Saales wird nicht nur ein hoher, zweigeschossiger Raum (Lichte ca. 5,80 m) angeboten, sondern auch ein hohes, großes Fenster zur Stadt und zum Schlosspark, dem eine repräsentative Stadtloggia vorgelagert ist.

Die Räume des Bürgermeisters und seines Stellvertreters sind ebenso wie der Saal direkt an diese Stadtloggia und an das kleine Foyer angebunden. Die Organisation des Grundrisses folgt dem Ziel der Übersichtlichkeit und Funktionalität. Die einzelnen Abteilungen werden zusammenhängend und jeweils mit der Möglichkeit einer ringförmigen Erschließung aufgereiht. Die über alle Geschosse reichende Halle und ihre Freitreppen dienen der übersichtlichen Erschließung durch Besucher; zwei notwendige Treppenräume schaffen auf kurzem Wege die Entfluchtungsmöglichkeit nach draußen. Das „offene“ Haus ist der Idealfall einer einladenden Behörde. Dieser Charakter wird erreicht, indem keine geschossweisen Brandabschnitte gebildet werden, sondern das Haus zur Kompensation flächendeckend gesprinklert und mit einer Alarmierung versehen wird. Diese Lösung ist in Summe wirtschaftlicher als aufwendige Brandabschnittstrennungen und kann durch die ansonsten sehr wirtschaftliche und kompakte Grundrissorganisation des Hauses ausgeglichen werden.

Die Struktur und tektonische Gliederung bestimmen die Baukörper. Großformatige Glasflächen, Naturstein und mit Natursteinzuschlag veredelte Sichtbetonflächen sowie die Holzverkleidungen der Saalwände definieren die wesentliche Materialität. Die raumabschließenden Fassaden bestehen aus anthrazitfarbenen Metall-Glas-Elementen, die zwischen tragende Pfeiler gesetzt sind. Die Pfeiler zeigen nach außen eine hinterlüftete, wärmegedämmte Steinverkleidung, nach innen die verputzte oder GK-verkleidete Tragstruktur. Alle Glieder der Kolonnade – Sockel, Säule und Dach – sind Sichtbetonfertigteile, die durch einen Natursteinzuschlag und eine zusätzliche Oberflächenaufrauhung der Anmutung des Natursteins sehr nahekommen.