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Campus Hochschule Geisenheim University, Geisenheim


offener Wettbewerb 2016: 1. Preis

Mitarbeit: Vjekoslav Buha

Landschaftsarchitekt: Die LandschaftsArchitekten. Bittkau - Bartfelder + Ing. GbR, Wiesbaden



Städtebauliches Konzept

Der städtebauliche Rahmenplan ist nicht nur eine große Chance für die bauliche Entwicklung der Hochschule, sondern auch für die Landschafts- und Stadtstruktur im Westen Geisenheims. Als robuste Grundlage für diese Entwicklung schlagen wir zusammenhängende sukzessive zu entwickelnde Baufelder in einer parkartigen Umgebung vor, die in den Bestand und die Landschaft behutsam eingefügt sind. Es entsteht ein ausgewogenes Gewebe aus „Clustern“ und Nutzungen, das stabil und flexibel ist.


Freiraumkonzept

Der Hochschulstandort befindet sich inmitten einer einzigartigen, historisch gewachsenen Kulturlandschaft  und hat diese Landschaft mit seiner eigenen Entwicklungsgeschichte geprägt. Ihren Ursprung hat die Hochschule 1872 als Königlich Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau. Wenig später konnte hier auch Gartenkunst studiert werden. Diese sowie alle sonstigen hinzugekommenen wie zukünftigen Studiengänge werden die Gestaltung des Freiraumes entsprechend ihrer Inhalte prägen.  Unser Freiraumkonzept überführt die vorhandenen Mosaiksteine  mit den Neuentwicklungen zu einem Gesamtensemble zusammen. Die Voraussetzungen dazu sind ideal: Das ursprüngliche Verwaltungsgebäude, das man auch als bauliches ‚Herzstück‘ der Hochschule bezeichnen könnte liegt mit seinem historischen Park unmittelbar am Übergang des Stadtrandes und verknüpft sich an dieser Stelle mit der Stadt Geisenheim in Richtung Zentrum. Die Villa Monrepos, die sich der Gründer der Lehranstalt, Eduard von Lade, mit einer weiteren großflächigen Parkanlage als Alterssitz erbauen ließ, bildet den südlichen Abschluss mit weitem Panorama auf die Rheinlandschaft.
Die zukünftigen Flächen der Hochschule entwickeln sich zwischen diesen beiden einzigartigen Parkanlagen von Ost nach West bis zum bestehenden Standort der Rebenzüchtung. Nördlich werden die Campusflächen von der weitläufigen Rheingauer Weinbergslandschaft gerahmt.


Campus  östlicher Teil

Der neue  Eingangsbereich ist als Adresse der Hochschule von entscheidender Bedeutung für die städtebauliche Ordnung. Er ist im historischen Schwerpunkt verortet und öffnet sich als kleine Platzfläche zum öffentlichen Raum. Einen signifikanten Akzent setzt das „öffentliche“ Hörsaalgebäude, welches in idealer Weise (durch das abgetreppte Gestühl seiner Hörsäle) die vorhandene Topographie für einen Zugang von beiden Niveaus nutzt. Der einladende transparente Baukörper und sein kraftvolles kompaktes Volumen ist durch eine innovative Überlagerung von konstruktiven und funktionalen Anforderungen möglich:  Das für den Saal von 630qm Fläche erforderliche Dachtragwerk wird als raumhohes Trägerkreuz so über dem Saal angeordnet, dass die vier Quadranten im OG jeweils optimal für einen Seminarraum samt Vorbereitungsraum genutzt werden können. Attraktiv erschlossen werden sie jeweils über zum Foyer offene Galerien. Großflächige Durchdringungen des wandhohen Tragkreuzes, die auch statisch problematisch wären, sind bei dieser Figur nicht erforderlich.

Der Umgang mit der vorhandenen Höhensituation und die Platzierung der Neubauten ermöglichen einen weitgehenden Erhalt des wertvollen Baumbestandes. Die darüber hinaus gewünschte Öffnung und Verzahnung mit dem öffentlichen Raum wird  durch die Wegnahme der Anbauten entlang der Falterstraße möglich. Die historischen Backsteingebäude sowie die Aula von 1907 bleiben erhalten und machen die bauliche Entwicklung des Hochschulstandorts ablesbar.

Der Austauschhörsaal (Ersatz für 1005) bildet zusammen mit dem großen Hörsaalgebäude eine neue raumbildende Klammer des Campusbereichs Ost, der sich als großzügiger nutzungsoffenen  Freiraum zwischen diese Gebäuden spannt. Die Gestaltung bietet differenzierte Aufenthalts-qualitäten. Niveaugleiche Übergänge jeweils in die Foyerfläche der beiden Hörsaalgebäude hinein und weitere Verknüpfungen in die eigentlichen Säle über mobile Trennwände bieten zusätzlich ein enormes Potential für Veranstaltungen, Messen  und Festlichkeiten.
Ergänzt wird die Figur um ein Gebäude in dem zwei Nutzungen – Logistik und Praktikum –zusammengefasst sind.


Campus  westlicher Teil


Die Verknüpfung beider Campusbereiche erfolgt nicht mehr allein über die vorhandene Brücke, sondern auch über den neuen Eingangsplatz.  Diese Verbindungen finden in beide Richtungen mit Wegen und Baumpflanzungen eine Fortsetzung und bilden das Rückgrat der Campuserschließung.
Westlich des ZIG Laborgebäudes schließen sich die neuen Entwicklungsflächen an. Das Zentrum und Gelenk bildet der neue Campusplatz, von dem auch der südliche Campusbereich, der durch die trennende Bahnlinie abgekoppelt war, barrierefrei erschlossen wird. Dies wird durch die beidseitig der Bahnlinie angeordneten Baukörper der beiden Ersatzgebäude 1000.2 möglich, deren Foyer und - Erschließungszonen über eine Brücke effizient und attraktiv miteinander verbunden sind. Über die normalen Gebäudeaufzüge und über die großzügigen Treppenaufgänge, die mit dem Ort spielen:  Von diesem erhöhten Standort  lassen sich einmalige Sichtbeziehungen auf alle die Landschaft so einzigartig machenden Sehenswürdigkeiten – zum Geisenheimer Dom, zur Villa Monrepos mit Rheinverlauf, zum St. Hildegardis-Kloster bis hin zum Niederwalddenkmal – erleben. Mit der Brücke werden idealerweise zwei Häuser miteinander verbunden, die ohnehin zusammenhängend und in Nähe zum ZIG liegen sollen. Alle weiteren Neubauten und Gewächshäuser sind entsprechend ihrer bauabschnittsweisen Abfolge als kompakte Figur linearer Elemente ausgebildet, die den Muttergarten nach Norden fasst. Den Auftakt bildet das Getränkezentrum.  Zwischen den einzelnen Gebäuden sind Freiflächen angeordnet, die in ihrer Ausgestaltung thematisch Bezug zu den jeweiligen Forschungs- und Studieninhalten nehmen können. Der Campusplatz  wird mit einer Cafeteria ergänzt, dient der Kommunikation und kann vielfältig wie z.B. für Sommerkino o. ä. genutzt werden.


Campus südlicher Bereich


Der Campus Süd hat seine historische Kernzelle in der Villa Monrepos. Um diesem wichtigen Gebäude aber auch dem neuen Verbindungsbau über die Bahngleise einen noch schöneren Auftritt zu verleihen, wird nördlich der Straße mit axialem Bezug auf Monrepos ein neuer Terrassengarten angelegt. Die  räumliche Fassung zu den Bahngleisen bildet nicht nur der Neubau sondern auch die erhaltenen Gebäude  6501, in denen die Kita und ein Spielhaus mit angegliederter Freispielfläche untergebracht sind. Das Gebäude 6601 Rüdesheimer Straße 28  wird erhalten und durch ein weiteres Gebäude ergänzt. Hier werden zukünftig studiengangübergreifende Nutzungen wie Seminarräume, Praktikumsflächen o. ä. angeboten, die das studentische Leben ergänzen. Zur weiteren Unterstützung der Verknüpfung der Campusbereiche Süd und West werden  zwei weitere Treppenanlagen in die seitlichen Mauerwangen der Unterführung eingefügt.


Architektonische Ausformulierung


Die Architektur der Neubauten sollte sich an dem Leitbild des Ensembles orientieren. Demzufolge könnten die Neubauten eine Architektursprache haben, die der des letzten Neubaus ZIG recht ähnlich ist:  Eine moderne Baukörperstruktur und zeitgemäße konstruktive Fügung wird ergänzt um einen sensiblen Materialeinsatz: Der Massivität Bruchstein oder Holzverkleideter Wände (Hörsaalgebäude) wird z. B. die Filigranität von Glasfassaden gegenübergestellt.

Ein ähnliches Spiel zwischen schweren geschlossenen Volumen und transparenten, einladenden Foyerfassaden wie bei dem dargestellten Hörsaalgebäude könnte zum architektonischen Leitbild des neuen Campus werden. Wichtig dabei ist, dass es sich um in der Kontur und im Volumen jeweils klar ablesbare Baukörper handelt, die einerseits als Volumen und Wände für den Campus raumbildend sind und anderseits trotz der Volumenvorgabe eine differenzierte Architektur zeigen.


Verkehrliche Erschließung  und Parkraumangebot
Die verkehrliche Erschließung des östlichen Campusbereiches erfolgt unverändert über die angrenzenden Straßen im westlichen Campusbereich als Erweiterung und Ausbau der Falterstraße bis zur nördlichen Zufahrt der neuen Parkplätze, die den größten Anteil an Pkw-Stellplätzen decken werden. Dieser Parkplatz kann – um Zwischennutzungen ermöglichen –sukzessive zur Bedarfsentwicklung ausgebaut werden Bei einem steigenden Stellplatzbedarf kann auf die in der Auslobung angedachten Einrichtung eines Parkdecks parallel zur Bahnlinie an der Brentanostrasse 9 zurückgegriffen werden. Der Campusbereich ist bis auf temporäre Andienungserfordernisse autofrei. Für die Hochschulverwaltung sind einzelne, auch barrierefreie, Stellplätze gebäudenah angeordnet.


Fazit   „Ein Ensemble ganz besonderer Qualität“

Das Nebeneinander von historischen Gebäuden und sensibel gesetzten und signifikant gestalteten Architekturen in einer herausragenden Landschaft und schönen Gärten verleit dem Campus Geisenheim eine ganz besondere bauliche Identität in der deutschen Hochschullandschaft.