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Neubau Seminarhaus am Campus Westend, Goethe-Universität, Frankfurt am Main


VOF-Verfahren 2012: 1. Preis

Bauherr: Goethe-Universität Frankfurt

Mitarbeit: Sandrina Schliemann, Dennie-Christian Schellin, Andreas Tölle, Lucie Schmidt, Karmen Pekcec


Umgang mit der städtebaulichen Situation / Einfügung in das Ensemble

Mit dem neuen Seminargebäude wird ein weiterer – allein durch seine übergeordnete Nutzung herausragender – Baustein am Campus Westend gesetzt. Analog zur bisherigen Campusentwicklung, bei der die „öffentlichen“ Gebäude in ihrer Stellung und ihrer architektonischen Ausformulierung Individualität und Signifikanz, die Institutsbauten eine zurückhaltende Eleganz und Ruhe zeigen, soll das Seminargebäude als Teil der östlichen Parkkante eine kraftvolle Individualität demonstrieren: Eine architektonische Handschrift und eine eigene architektonische Haltung, die auf der Überzeugung beruht, dass die besondere Nutzung auch eine besondere Gestalt hervorrufen muss. Dem Innenleben – den universitätsübergreifenden Versammlungsräumen und dem luftigen, großzügigen Foyer – soll nach außen durch eine plastische, großmaßstäbliche Fassade Ausdruck verliehen werden. Das Thema der Fassade ist der Wechsel von ruhiger, kleinteiliger Gliederung, großflächigen Wänden und tiefen, weiten Öffnungen zwischen Foyer und Park. Die benachbarten Institutsbauten hingegen haben infolge eines kleinteiligen Bürorasters folgerichtig auch ein anderes Fassadenthema, meist das der gleichförmigen monotaktischen Reihung. Ähnlich wie beim Hörsaalzentrum erlaubt jedoch die andere Nutzung eine andere Haltung, mit der sich der Bogen schlagen lässt zu der plastischen Architektursprache Poelzigs. Das Gesamtensemble wird im Spannungsfeld zwischen Poelzigbau, HSZ, AC, G+E, R+W, EXNO und Max Planck-Institut um eine neue architektonische Ausformulierung eines Themas kontrastreich ergänzt.

Eine andere städtebauliche Qualität des Entwurfs liegt darin, dass der Baukörper trotz seiner Halle deutlich kompakter als das zur Verfügung stehende Baufeld ausgebildet werden konnte, wodurch vor allem Richtung Norden wertvolle Fläche für die qualitätvolle Entwicklung des Institutsclusters des 3. BA verbleibt.


Gebäudegliederung und Gestaltung

Das Gebäude hat eine tektonisch gegliederte Natursteinfassade (Travertin, ähnlich dem Cannstätter Travertin vom Pölzigbau) mit zurückhaltendem Verglasungsanteil; dennoch kann mit der vorgeschlagenen Struktur und Gliederung ein transparentes und heiteres Gebäude – im Sinne großzügiger Öffnungen und Blickbeziehungen zwischen Campus und Foyer – geschaffen werden. Die Gliederung wird bestimmt durch drei Fassadenmotive, die jeweils „um die Ecke herum genommen“ den Solitärcharakter des Hauses unterstreichen. Eine Feingliederung entsteht durch die vertikalen Fensterlisenen aller Seminarräume, eine übergeordnete Gliederung durch das Zusammenfassen und Zurücksetzen dieser Lisenen gegenüber dem Gesamtvolumen und durch geschlossene Wandflächen im Zusammenhang mit tief eingeschnittenen Fenstern und Terrassen.


Organisation / Anordnung und Verbindung von Funktionsbereichen

Die besondere Typologie des Hauses – die offene Mitte und der „Kranz“ von 51 Seminarräumen in 3 unterschiedlichen Grössen – ist nur durch ein ausgefallenes Erschließungskonzept möglich: Brandschutztechnisch kann ein offenes Foyer nur gebaut werden, wenn entweder zahllose Abschlüsse (in Bau und Wartung sehr teure Brandschutzvorhänge) zu einem Luftraum gebaut werden oder wenn für jeden Aufenthaltsraum ein direkter Fluchtweg – nicht über das Foyer – sondern über direkt zugängliche Treppenräume in Summe 6 Treppenhäuser mit einer Laufbreite von 1.2m, besteht. Selbst wenn diverse Seminarräume intern unterteilt werden sollten, ist das Fluchtwegekonzept tragfähig, denn in Einzelfällen ist innerhalb dieses Systems eine so genannte Bypasslösung problemlos denkbar. So kann das über mehrere Geschosse durchgehende Foyer als kommunikativer Raum alle Bereiche miteinander verbinden. In seinem Zentrum befindet sich als besondere Attraktion und skulpturale Qualität eine offene Treppenanlage, die sich um einen durchgehenden Aufzugsturm herum entwickelt. Die Decken der unterschiedlich angelagerten Nebenräume bilden in den darüber liegenden Geschossen jeweils Plattformen mit besonderer Aufenthaltsqualität.